Katja und die wilden Reiter

Geschrieben für Wolfgang in Gedenken an Katja…

Einst gab es eine schöne Katja, sie war eine wilde Reiterin und sie verliebte sich in einen Wolfsmann. Mit ihrem jugendlichen Anmut machte sie, dass sich dieser Wolfmann in sie verliebte. In der Welt der Menschen mag das verwunderlich sein, aber nicht in der Welt der wilden Reiterinnen und der Wolfsmänner. Und so schlug das Herz des Wolfmannes fortan nur noch für sie und alles was er tat, tat er für sie und alles was sie tat, tat sie nur für ihn.
Sie lebten viele Jahre glücklich zusammen, unerkannt unter den Menschen. Doch Katja war es vorherbestimmt, sich zu wandeln. Ihre Zeit unter den Menschen war begrenzt, das wusste sie und sie genoss jede einzelne Sekunde mit ihrem Wolfsmann, doch dann fing irgendwann die Zeit des Wandelns an. Sie fing schon in sehr jungen Jahren an, sich auf ihr Schicksal vorzubereiten. Magisches Rauchkraut half ihr dabei die Wandlung auszulösen, denn es musste sein. Nur wenn sie ihren menschlichen Körper ablegte, konnte sie für immer mit ihrem Wolfsmann zusammen sein, das wusste sie.
So fing ihr Körper an sich zu transformieren und dann kam sie, ihre Raunacht. Sie folgte dem Ruf der wilden Reiter, denn sie war eine Katja, eine wilde Reiterin. Sie legte ihren Körper ab, denn den brauchte sie nun nicht mehr, aber dem Wolfsmann wollte fast das Herz brechen. Rasch fing er ihre Liebe ein, hielt sie fest in seinem Herzen und frei und wild jagt sie fortan in den Raunächten durch das Land. Und wenn einmal der Vollmond sein silbriges Gesicht in einer solchen Nacht zeigt, meint man dass ein Wolf dem Mond ein schönes Lied singt, aber in Wahrheit sagt Katja, die wilde Reiterin, ihrem Wolfsmann, wie sehr sie ihn liebt und nur der Wolfsmann kann ihre Worte verstehen…

Für Katja, geboren am 09.10.1950 und verstorben am  29.12.2019

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Aller Kinder Rechte

 

Aller Kinder Rechte
(Dieter Kaiser, 2012.07)
 
Für alle Kinder dieser Welt, 
denen die eigene Kraft noch fehlt, 
richte ich heut meinen Appell 
an alle Herrscher dieser Welt. 
Erwachsene haben nicht das Recht,
aus Glaube, Sitte oder Geschlecht,
am jungen Menschen auszutoben
einen Irrglauben, der käm von oben.
 
Sie sollen doch erst mal beweisen,
dass es das Wesen, das sie preisen,
in Wirklichkeit auch gibt da droben,
und nicht nur in ihrem Kopf, verschroben. 
 
Für Kinder, gilt das Menschenrecht, 
uneingeschränkt vom ersten Tage:
Unversehrt bleibe ihr Gemächt
bis ans Ende der Kindertage.
Allein ist es Kindes-Entschluss,
ob es die Schöpfung ändern muss.
Erwachsen soll es sich entscheiden,
ob es will einen Schmerz erleiden. 
 
Kein so genanntes heiliges Schreiben, 
keine Jahrtausend alte Sitten,
darf Erwachsene dazu treiben,
zu solch irreversiblen Schnitten.
 
Welches Credo, welch ein Vorwand, 
welch blinde, dumme Schlächterhand, 
kann verdammen so viel Kindlichkeit 
zu so viel Schmerz und so viel Leid. 
Es gibt Kinder, die nicht verstanden, 
und leichten Herzens doch verschwanden
in den Tod und das Paradies,
das ein Gläubiger verhieß. 
 
Wenn sie im Spiel auf Minen sprangen,
ist ein Mozart vielleicht gegangen. 
Wenn das der Preis ist für Himmelsglück, 
auf welche Bosheit geht‘s zurück? 
Wie lang ist Politik bereit 
zu Verdunkelung und Feigheit, 
um zu verwischen aus dem Sinn 
die Menschenrechte für ein Kind. 
Ist ein Staatschef zu überzeugen, 
von Zeit zu Zeit mal mit zu heulen? 
Kann ein Minister sich berauschen 
und sein Herz mal kurz belauschen? 
 
Wenn doch woanders auf der Welt, 
das Kinder-Recht vor allem zählt, 
so lasst doch auch hier immerfort, 
Kinderrecht gelten, ab sofort. 
Lasset die Dummheit bald verstummen, 
lasst in verstaubten Büchern schlummern 
falschen Glauben und Sittenstreit 
bis in alle Ewigkeit. 
Ich habe nicht die Spur von Macht, 
aber voll Hoffnung und Bedacht, 
ist mein Appell, nicht nur für heut.
Traget ihn weiter allezeit.
 
Lasst ihn durch Mütter Kindern lehren, 
und lasst die Kinder ihn dann mehren. 
Ihr Väter seid dazu bereit, 
zu opfern etwas Männlichkeit. 
Für alle Kinder dieser Welt, 
denen das Herz der Eltern fehlt, 
richte ich heut meinen Appell 
an alle Herrscher dieser Welt.
 
Für alle Kinder dieser Welt.
 
 
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Nudel unser

Nudel unser

Nudel unser die Du bist auf dem Teller
Gesalzen werde Dein Kochwasser

Dein Geschmack komme
In der Soße als auch pur

Sättige uns heute als auch morgen und übermorgen und
überübermorgen und für alle Zeiten

Und führe unsere Geschmacksknospen in Versuchung
Wie auch wir werden, deinen Geschmack genießen und lobpreisen.

Denn Dein ist die Soße in allen Farben und Geschmacksrichtungen und das Nudelsieb in Ewigkeit

Ramen

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Der Kirschbaum

 

Der Kirschbaum

Rosa schneien Deine Blütenblätter
Und ich rieche den Frühling,
nicht wissend, dass daraus süße Früchte werden

Kreischend und stolz rennen wir weg,
dunkelsüß hängen Deine Früchte an meinen Ohren
nicht sehend, dass der alte Mann verschmitzt lächelt

Heut denk ich zurück und ich weiß,
der alte Mann hat gelächelt, als er uns fortjagte
Gelächelt, an seine eigene Kindheit denkend

Und traurige Tränen netzen mein Gesicht
Wissend, dass ich den Duft dieses Frühlings
Und den Duft dieses Sommers nie wieder riechen werde

Rosa schneien die Blütenblätter
Und dunkelsüß sind Deine Früchte
Kirschbaum meiner Kindheit, ich vergesse Dich nie

10.10.2003

 

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Süße Inexistenz

 

Süße Inexistenz

Süße Inexistenz, wann wirst Du mich umfangen?
Muß vom Baume ich erst hangen?

Nimm mir den Schmerz des Lebens.
Es hat keinen Sinn, ist stets vergebens.

Süße Inexistenz ich rufe Dich und flehe.
Hilf mir, daß ich gehe

in Dein Reich des Nichtsein
Will weder Schatten noch Licht sein

Süße Inexistenz, warum nur, warum nur
ist das verdammte Leben so stur

Warum nur, warum nur, schaffe ich es nicht
ist der Weg zu Dir so fürchterlich?

Süße Inexistenz, so völlig ohne Reue
kann ich sagen, daß ich mich auf Dich freue…

23.08.2007

 

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