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Multifokale Linsen statt Lesebrille

Japp, ich bin angekommen in dem Alter der Lesebrillenbenutzer. Von Geburt an bin ich übersichtig, das heißt dass ich über größere Distanzen gestochen scharf sehen kann, aber um noch komfortabel lesen zu können, sind meine Arme mittlerweile leider zu kurz.
Also wurde eine Lesebrille angeschafft. Vom Optiker, war mir wichtig. Wollte nicht irgendwas kaufen, was für meine Augen ggf. nicht gerade förderlich ist. Sie ist klein, leicht und handlich. Schick? Nein, klein und handlich scheinen schick auszuschließen.
Hilfreich? Aufjedenfall, wenn nur das Handling nicht so nervig wäre. Entweder setzt man sie laufend auf ab oder man hat sie zu Hause vergessen und benutzt die Kamerafunktion vom Smartphone, damit kann man sich das Kleingeschriebene ja auch wunderbar vergrößern. Oder man schaut über den oberen Brillenrand und muss dabei die Kopf in die „gesunde“ Smombie-Stellung senken.. Mein Mann ist auch Linsenträger, er ist einfach „nur“ kurzsichtig. Aber gibt es auch Linsen, die beides können? Die Weitsichtigkeit erhalten und dennoch scharfes Sehen vor der Nase?
Ich habe Tante Google gefragt und wurde wirklich schnell fündig, weil es tatsächlich nichts Neues ist, es wird nur nicht beworben. Multifokale Linsen. Tolle Erfindung, sofern die Augen gewillt sind, sich entsprechend trainieren zu lassen. Multifokale Linsen sind in der Mitte ohne Sehstärke und der äußere Ring ist mit Sehstärke. Das Auge kann die Funktion also nur durch weiten oder enger stellen der  Pupille abrufen. Große Pupille heißt dann nicht „ich bin bekifft“, sondern ich schaue mir gerade etwas im Nahbereich an. Also die Arbeit macht natürlich die Iris (das Bunte um die Pupille herum, bei mir irgendwas mit Blau, Grau und Grün).
Nach der Recherche dann der Gang zum Optiker, ich war bei dem mit dem F vone und dem Mann hinten.
Erstmal Sehtest, dann Augen vermessen, dann Probelinsen bestellen. Dann kommen sie, die Probelinsen. Wenn man sich eher selten bis gar nicht schminkt ist der Schließreflex der Augen sehr stark ausgeprägt. Da muss man erstmal drüber kommen. Dann arbeitet man gegen seine Lider an, die man aufhalten muss um die Linse reinzusetzen und dann muss man sich eh noch überwinden aufs Auge zu ditschen. Was das Letztere angeht, ist nicht so wild, die Linse brennt nicht wie eine Mücke, die sich gern mal beim Radfahren ins Auge schmeißt. Da meine Augen sehr klein sind, ist das weit genug Aufhalten der Augen am Schwierigsten. Und dann kommt das wirkliche Elend, wie bekommt man diese Dinger wieder raus? Das war beim ersten Mal bei mir eine echte kleine Katastrophe.
Es wird einem ja gezeigt, dass man mit Daumen und Zeigefinger beherzt zugreifen soll und damit die Linse dann aus dem Auge nehmen soll. Habe ich überhaupt nicht hinbekommen.
Nachdem das bei mir so gar nicht klappen wollte, hatte mir dann die Optikerin die Linsen aus den Augen gefischt. Sie hat die Linsen mit einem Finger nach unten außen gezogen und aus dem Augenwinkel geholt. Da wollte ich eigentlich aufgeben, habe aber die Probelinsen trotzdem mitbekommen.
Auf Facebook habe ich dann auch mal gefragt, wie die Linsenträger in meiner Freundesliste aus ihren Augen wieder rausfummeln. Ich bekam jede Menge Feedback. Manche so, wie der Optiker es seinem zeigt, manche benutzen Hilfsmittel usw.
Sehr hilfreich ist ein kleiner Standspiegel mit Vergrößerung und eine gute Beleuchtung.
Mittlerweile ditsche ich mit einem Finger einfach mittig auf die Linse und ziehe sie nach außen unten und dann ist sie auch schon draußen. Hilfreich ist, vorher Augentropfen rauf zu tropfen.
Gestern war ich nach dem Tragen der Probelinsen zur Kontrolle und da habe ich auch gleich meine Linsen bestellt. Heute sind sie angekommen. Ging ja wirklich fix. Da meine Augen nur minimalst von einander abweichen, brauche ich nicht für jedes Auge eine andere Stärke, ich muss also nicht auf Links und Rechts achten, sehr praktisch.
Achja, ist schon toll, wenn man ohne Brillengefummel lesen kann, wieviel Zucker in einem Produkt enthalten ist oder wie lang und heiß die Pizza in den Ofen muss.

Mein linkes Auge mit Linse, wer genau hinschaut kann die Linse sehen.

So sieht das Töpfchen mit der Kochsalzlösung aus, in der die Linse schwimmt.

Ich habe Tageslinsen, die sind sehr dünn und man muss nicht mit Töpfchen und Flüssigkeiten hantieren.

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